Alltag mit Hund

Bountys zweite Scheinschwangerschaft und Veränderungen

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Auch jetzt ist es um uns herum ziemlich still geworden. Wir haben weder viel Abenteuer unternommen, noch neue Sachen ausprobiert. Auch im letzten Herbst – wieder genau 8 Wochen nach ihrer Läufigkeit – hat sich für uns alles geändert.

Nach gut fünf Wochen ist die Scheinschwangerschaft langsam abgeklungen, aber die gröbsten Verhaltensänderungen bleiben zurück, es macht mich derzeit echt fertig.

Ich war in den letzten Wochen wirklich schon am Rande der Verzweiflung. Alles, was bisher funktionierte war wie weggeblasen. Als würde es vier Jahre lang kein Stück Erziehung geben. Zuhause wird auch mehr diskutiert als akzeptiert.

Busfahrten waren nie ein Problem. Plötzlich gibt es im Bus panische Anfälle, dass mich Leute angesprochen haben, mein Hund sei wahrscheinlich schon einige Male getreten worden, so wie sie sich aufführte. Danke Frau Schlaumeier, für ihren wahnsinnig fachkundigen Blick. Wie sich so ein dummer und verletzender Spruch für mich als Besitzer anfühlt, wurde anscheinend nicht nachgedacht.

An Hauptstraßen oder Bushaltestellen mit vielen Leuten ist sie impulsiv und gesprächig. Sie fängt dann an zu Grummeln und zu Bellen. Vor Aufregung. Viele Leute versuchen auch immer sie irgendwie zu locken, mit Geräuschen oder piepsigen Stimmen. Ich habe nicht nur einmal einen Spruch hören müssen wie: “der dumme Köter hat mich angeknurrt!”.

Autofahrten waren nie ihr Ding. Aber in den letzten Jahren wurde es immer besser. Plötzlich ist auch das kaum auszuhalten, sie flippt total aus und kriegt sich nicht mehr ein. Hat aber keine Angst mit dem Auto selbst, hüpft rein, wartet bis ich sie rausbitte. Wenn ich aussteige und so 5 Minuten weg bin und wieder einsteige ist alles ok. Abends ist es auch überhaupt kein Thema. Wer weiß schon, was in ihrem Hirn los ist? Im Transporter zum Beispiel ist überhaupt nichts.

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Während wir in den letzten halben Jahr sogar schon ohne Leine durch den Park – ohne Probleme an Menschen und Hunden vorbei gehen konnten ist es quasi wie ausradiert. Plötzlich will Bounty jeden fremden Passanten auf der Straße anspringen und begrüßen. Bei jedem Hund aus 200 Meter Entfernung kriegt sie vorn und hinten einen Kamm und steigert sich schon richtig rein.

Getreu dem Motto: “komm her, ich hau dir gleich aufs Maul!”.

Auf einem 3 Meter breiten Weg an einem anderen Hund vorbeizugehen ist nicht denkbar. Sie reagiert dann auch auf gar nichts mehr. Geiert nur auf den fremden Hund. Die meisten wollen ihren Hund dann mehr Spielraum geben, um Hallo zu sagen, weil sie finden: “Ach, wie süß, die freut sich ja richtig und will spielen!”.

Sie hängt in der Leine. Hüpft hin und her. Zieht wie ein Ochse. An jedem Pipifleck muss geschnüffelt und drüber markiert werden. Manchmal zieht sie wild irgendwohin und ich muss aufpassen, mir nicht die Schulter auszurenken. Es ist, als wäre sie nie Leinenführig gewesen. Auch ohne Reize ist sie unmöglich an der Leine…

Ins Geschirr buckelt sie sich zusätzlich rein. Ein Halsband habe ich schon ausprobiert, finde ich aber nicht so toll. Sie zieht bis sie kaum noch Luft kriegt und keucht – ist ihr ziemlich egal, sie zieht trotzdem wie ein Ochse.

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Und dann ist da wieder die andere Seite.

Es macht jetzt den Anschein, dass auf einmal alles schlecht ist. Aber das kann ich so auch nicht sagen. Bei unseren Gassi Runden zum Beispiel. Auf unseren Rückweg geht sie wieder neben mir an lockerer Leine und ist super aufmerksam wie eh und je. Neulich konnten wir auf dem Rückweg sogar an der Schleppleine (mit 3m Spielraum) neben anderen Hund-Mensch-Teams vorbeigehen, ohne dass ich die Leine berühren musste, also genau wieder das Gegenteil, was sonst der Fall ist. Also irgendwo ist da ein Schalter in ihrem Kopf.

Laut vielen Tipps habe ich vor kurzen die Schilddrüsenwerte überprüfen lassen, ob diese extremen Verhaltensänderungen womöglich dadurch kommen, aber Fehlanzeige. Auch sonst ist sie gesund.

Habe auf Empfehlungen auch einiges an Beruhigungsmitteln ausprobiert – wobei Beruhigungsmittel nicht das richtige Wort dafür ist. Wir haben uns an natürlichen Mitteln & Kräutern versucht wie zum Beispiel Johanniskraut und Baldrian. Nicht um all das auszuschalten, sondern sie nicht so krass auf Reize reagieren zu lassen. Um irgendwie ein Gleichgewicht wieder reinzukriegen.

Leider ohne wirklichen Erfolg bisher. Wir müssen uns noch weiter ausprobieren und dann die Situationen die scheiße sind eben neu zum Alltag werden lassen. Auch wenn mir derzeit die Energie (und manchmal die Lust) dazu fehlt, weil sie schon nach 5 Metern nach der Haustüre vor Aufregung hechelt, sich schüttelt und willkürlich in die Gegend bellt, springt und überhaupt nicht mehr ansprechbar ist. Hach ja. Ein Beitrag für mehr Realität.

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